Abhängen nach dem Abi und sich treiben lassen… Die zwei jungen Frauen geraten nach einer „Vogelbefreiung“ in eine absurde Verfolgungsjagd durch Berlin und müssen unerwartet Verantwortung übernehmen.
Inhalt
Eine Zwille wird geladen, der Stein fliegt und klirr - das Fenster des Nachbarn geht kaputt. Ramona und Nico sind Freundinnen, faule Lappen und frisch aus der Schule. Doch anstatt sich Gedanken um ihre Zukunft zu machen, lassen sie sich lieber von dem hitzigen Berliner Sommer erschlagen. Als sie einen geliebten Nachbarsvogel freilassen, müssen sie fliehen - in die politisch aufgeladene Welt, auf die sie eigentlich keine Lust haben. Ein Roadtrip durch Berlin beginnt - allerdings zu Fuß. Auf ihrer ziellosen und halbherzigen Suche nach dem entflogenen Federvieh und dem kleinen Bruder, ringen sie um ihre Freundschaft, den Glauben an sich selbst und stolpern unerwartet in andere hoffnungsgebende Lebensgeschichten.
Umsetzung
Regisseurin Sorina Gajewski hat einen unglaublich direkten, wunderbar verdichteten, zugleich ganz und gar lebensechten und unwahrscheinlich witzigen Film geschaffen. In gerade mal eineinviertel Stunden erleben wir Moni und Nico, wie sie diesen einen Tag verbringen, auf der Pro-Forma-Suche nach einem Vogel, vor allem aber auf der Suche nach sich selbst, nach einander. Aber das wissen sie nicht, und das wollen sie auch nicht wissen. Sie wollen labern. Und wie sie labern!
Die Dialoge, die sie führen, ihre Gespräche, die ausufern, die Sprache, die ganz aus ihrem Leben ist, das ist herausragend eingefangen, wie es besser nicht sein könnte. Da geht es um Silberfische, einfach so, wir steigen da direkt ein in die Sätze, die sie sich zuwerfen, dann weiter zu diesen übergriffigen Spinnen, Digger, die sind so disrespectful, wie sie den persönlichen Space invaden, statt in ihrer Ecke zu chillen!
Irgendwann geht es um Plattenbau versus Eigenheim; irgendwann geht es darum, Hühner zu zähmen. Es sind tolle Einfälle, die der Film ausbreitet, die die beiden Protagonistinnen durchführen, als wäre alles dokumentarisch ihr Alltag. Das ist superlustig, und es macht sich nie lustig über sie. Im Gegenteil: Wohl kaum ein Film hat diese Generation bisher so ernst genommen wie Nulpen, der sie ganz direkt und nah begleitet, in ihrer internalisierten Desillusion, in ihrem Zukunftsnihilismus, weil eine Rettung unmöglich zu sein scheint.
(aus KinoZeit: Filmkritik von Harald Mühlbeyer)
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
