Letztendlich sind wir dem Universum egal

Laufzeit:
98 Minuten
Genre:
Literaturverfilmung, Drama, Coming-of-Age, Romanze
FSK:
noch keine Angabe
Schulunterricht / Altersempfehlung:
8. - 13. Klasse | ab 13 Jahren
Themen:
Identität, Liebe, Freundschaft, Jugend, Familie, Rollenbilder, Sexualität, Erwachsenwerden, Individuum und Gesellschaft
Unterrichtsfächer:
Englisch, Deutsch, Ethik, Philosophie, Religion, Kunst
Inhalt
Nett, aufmerksam und hilfsbereit – das ist Rhiannon. Die 16-Jährige verhält sich zu Hause und in der Schule stets vorbildlich. Während ihre Eltern sich voneinander entfremden und ihr Freund Justin sich am liebsten um sich selbst kümmert, stellt Rhiannon die eigenen Bedürfnisse hinten an. Eines Tages scheint Justin wie ausgewechselt und die beiden brechen zu einem romantischen Ausflug auf. Wenig später ist jedoch alles wieder beim Alten und Rhiannon versteht die Welt nicht mehr. Auf einer Party begegnet sie Nathan und spürt dieselbe Vertrautheit wie zuvor mit Justin. Als sie Nathan wiedertreffen will, spricht ein Mädchen sie an und erzählt ihr von ihrem Geheimnis: Sie nennt sich A und ist körper- und geschlechtslos. Jeden Morgen wacht A im Körper eines anderen jungen Menschen auf und lebt bis Mitternacht lebt dessen Leben. So war er/sie vor ein paar Tagen Justin, auf der Party Nathan und heute ist A das Mädchen Megan. Von nun an sehen sich Rhiannon und A fast täglich. Eine tiefe Freundschaft und leidenschaftliche Liebesbeziehung entstehen. Doch neben den logistischen Problemen, die A‘s tägliche Körper- und die damit verbundenen Ortswechsel mit sich bringen, stellen bald auch moralische Fragen das Paar vor eine grundlegende Entscheidung.

Umsetzung
Im populären Genre des romantischen Coming-of-Age Dramas lotet Regisseur Michael Sucsy jugendliche Identitätsfindungsprozesse aus. Für die Übertragung von David Levithans Romanbestseller in die Bildwelt des Kinos nutzt er filmische Gestaltungsmittel zur Herstellung von Kontinuität. Obwohl A von insgesamt 15 Schauspieler*innen dargestellt wird, stellt Sucsy Ähnlichkeit zwischen ihnen her, etwa indem A stets die gleichen Rituale ausführt. Großaufnahmen aus der subjektiven Perspektive auf das Handydisplay sowie auf die Hände imitieren A’s ständige Kontrolle der Uhrzeit und die tägliche Neuentdeckung von Geschlecht, Hautfarbe, Statur und Persönlichkeit. Zwar wechseln diese Äußerlichkeiten stets, aber Blicke, Sprech- und Verhaltensweisen zeichnen die Figur dennoch als konsistenten Charakter. Anstelle von E-Mails wie im Roman verdeutlichen im Film Chateinblendungen und der Austausch auf Foto-Plattformen, wie sich Rhiannon und A über Raum und Körper hinweg verständigen. Der poppige Soundtrack unterstreicht die romantischen wie aufwühlenden Gefühle, die beide Hauptfiguren teilen.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film kreist um die Frage, was Identität auszeichnet. Rhiannons und A’s Beziehung steht exemplarisch für die ideale Vorstellung, dass äußerliche Kategorien wie Aussehen, Geschlecht oder Hautfarbe nebensächlich sind. Inwiefern Schüler/innen dieser Botschaft vor dem Horizont ihrer eigenen Erfahrungen beipflichten können, kann im Unterricht diskutiert werden. Auch Studien, etwa zum Einfluss von Geschlecht, Religion, Kultur oder sozialem Status, können vertiefend als Gesprächsgrundlage herangezogen werden. Rollenspiele, die zum Perspektivwechsel auffordern, regen darüber hinaus zur Hinterfragung des eigenen Selbstverständnisses an und öffnen den Blick für Fremdes. Außerdem bietet sich die Erörterung der moralischen Fragen aus dem Film an: Darf man ungefragt in das Leben anderer eingreifen? Wie verhält sich das eigene Glück zum Glück der anderen? Zudem kann die Analyse von Filmsprache und Genre als Basis für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Roman im Vergleich zum Film dienen. Begreift man den Film hingegen als Parabel auf die jugendliche Nutzung von sozialen Medien, bietet sich eine Untersuchung verschiedener Ausprägungen digitaler Identität und ihrer Bedeutung für die Nutzer/innen an.