Die grüne Lüge

Österreich 2017
Regie: Werner Boote
Laufzeit:
90 Min
Genre:
Dokumentarfilm
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Schulunterricht / Altersempfehlung:
8. - 13. Klasse | ab 13 Jahre
Themen:
Ernährung, Energie, Wirtschaft, Ökologie, nachhaltige Entwicklung, Demokratie, Globalisierung, neue Technologien, Verantwortung, Gerechtigkeit, Individuum u. Gesellschaft, Natur und Umwelt, Klimawandel, Konsum
Unterrichtsfächer:
Politik, Biologie, Geographie, Sozialkunde, Wirtschaft, Ethik

Beschreibung

Inhalt
Auf eine Demonstration sei er noch nie gegangen, erklärt Werner Boote zu Beginn seines Dokumentar-films, lautstarke Proteste widerstrebten seinem Harmoniebedürfnis. Und so glaubt er auch gerne, dass er durch den Konsum von als „fair“ und nachhaltig angepriesener Produkte die Orang-Utans, Delfine, Ozeane, den Regenwald – kurz: die Welt – retten kann. Unsere natürlichen Lebensgrundlagen erhalten, faire Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne weltweit, ohne den Konzernen zu nahe zu treten, das funktioniert nicht, behauptet Autorin Kathrin Hartman, seit vielen Jahren Spezialistin für Greenwashing. Mit ihr begibt sich Werner Boote auf eine Reise, um „grüne Lügen“ aufzudecken. Die beiden zeigen auf, welch Unterschiede klaffen zwischen dem, wie Konzerne produzieren und wie sie ihre Waren auf dem Markt anpreisen. Es geht z.B. um Palmöl, das sich in rund der Hälfte unserer Supermarktprodukte befindet und das so gut wie gar nicht nachhaltig produziert werden kann. Es geht um Elektroautos, um Konzerne wie BP und RWE und Ideen von einer gerechteren, demokratischeren Wirtschaftsordnung. Aber Erfolge stellen sich nicht von allein ein, erklären gegen Ende des Films Indigene aus Brasilien, die sich gegen Landraub großer Agrarkonzerne zur Wehr setzen, man muss dafür kämpfen. Und so sieht man Werner Boote im Schlussbild des Films inmitten einer großen, bunten Demonstration.

Umsetzung
Werner Boote lässt sich als gutwilliger („ich kaufe gerne nachhaltige Produkte“), aber auch etwas naiver Konsument von Kathrin Hartmann zunächst durch einen Supermarkt und dann durch den Film führen. Seine (gespielte) Haltung ist dabei, dass er gerne dazu beitragen möchte, z.B. den Klimawandel aufzuhalten, wenn er dafür nicht verzichten muss. So wirft er Kathrin Hartmann in einer Szene vor, sie sei eine Spielverderberin, weil sie seine Begeisterung über das neue, schicke Elektroauto dämpft, indem sie erläutert, dass das Festhalten am Bestehenden mit einer neuen Technologie nicht den gewünschten Effekt, nämlich eine Verkehrswende, erzielen wird. Boote und Hartmann nehmen häufig konträre Positionen ein und führen leidenschaftliche Streitgespräche, die dazu einladen, die Standpunkte der beiden zu nachzuvollziehen oder zu hinterfragen. Dabei findet Werner Boote auch immer wieder einen humorvollen Twist, so dass der Film gleichermaßen informativ und kurzweilig ist.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
„Die grüne Lüge“ lädt dazu ein, Themen des Films inhaltlich zu vertiefen. Dabei bieten sich für jüngere Jahrgänge besonders die Themen an, die direkt an die Lebenswelt der Schüler*innen anknüpfen, wie z.B. die Verwendung von Palmöl in Lebensmitteln und Kosmetikartikeln. Besprochen werden kann die im Film aufgeworfene Frage, ob die Verbraucher*innen per Konsumentscheidungen verantwortlich gemacht werden können für faire und nachhaltige Produktion, oder ob der Gesetzgeber hierfür den Rahmen setzen muss. Für die Diskussionskultur im Klassenraum geben Boote und Hartmann ein gutes Beispiel dafür, wie man sich in der Sache hart auseinandersetzen kann, ohne das Gegenüber persönlich herabzusetzen. Schließlich kann über die Machart des Films gesprochen werden, bei dem der Filmemacher und seine tatsächliche oder angenommene Haltung gegenüber seines Sujets im Mittelpunkt der Filmerzählung stehen. Welchen Effekt hat diese persönliche Herangehensweise im Gegensatz zu einer „nüchternen“ Reportage?

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