Der Trafikant

Österreich, Deutschland 2018
Regie: Nikolaus Leytner
Laufzeit:
109 Min
Genre:
Literaturverfilmung
FSK:
ab 12 Jahre
Schulunterricht / Altersempfehlung:
9. - 13. Klasse | ab 14 Jahre
Themen:
Nationalsozialismus, "Anschluss" Österreichs an Hitler-Deutschland 1938, Judenverfolgung, Verfolgung politisch Andersdenkender, Freundschaft, erste Liebe, Zivilcourage, Träume
Unterrichtsfächer:
Geschichte, Deutsch, Politik, Sozialkunde, Ethik, Religion, Psychologie, fächerübergreifender Projektunterricht

Beschreibung

Inhalt

Österreich 1937: Der 17-jährige Franz Huchel wird von seiner Mutter aus dem urwüchsigen Salzkammergut nach Wien geschickt, um im Tabakwarengeschäft von Otto Trsnjek in die Lehre zu gehen. Doch die kleine heile Welt der Trafik wird bedroht: Der Schrecken des Nationalsozialismus breitet sich aus, denn der „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland steht kurz bevor.

Umsetzung
Eingebettet in einen historisch brisanten Kontext behandeln Film und Buch den Schritt vom Kind zum Erwachsenen. Die Schüler*innen vollziehen am Beispiel der fiktiven Geschichte von Franz Huchel nach, welche gravierenden Auswirkungen politische Umstände auf das Leben jedes Einzelnen haben können. Da die Lebensphase, in der sich Franz befindet, Überschneidungen mit ihrer eigenen Lebenssituation zeigt, bietet die Figur des Franz dafür ein hohes Identifikationspotential. Themen wie erste Liebe, Erwachsenwerden, Orientierung und Verunsicherung über die eigene Identität beschäftigen auch sie.

Franz Huchel steht für ein nicht ausgrenzendes humanistisches Menschenbild. Seine offen couragierte, fürsorgliche und treue Haltung gegenüber dem von rassistischer Hetze und Diskriminierungen betroffenen Freud sowie dem politisch Verfolgten Trsnjek hat Vorbildcharakter. Gleichzeitig werden ihm ironischerweise seine hartnäckige Treue und sein Pflichtbewusstsein zum Verhängnis, was ebenfalls thematisiert werden sollte. Der Film bietet die Möglichkeit, das zurzeit aktuelle Erstarken von Rechtspopulisten in Österreich und Deutschland und die Zunahme von gruppenbezogener Hetze und Feindlichkeit (wie den ebenfalls wieder zunehmenden Antisemitismus) zu thematisieren und zukünftige mögliche Entwicklungen hin zu einer weiterhin offenen, pluralen oder verschlossenen, ausgrenzenden Gesellschaft zu durchdenken. Der Film kann Impulse dahingehend vermitteln zu erkennen, dass jeder einzelne mit verantwortlich ist für gesellschaftliche und politische Entwicklungen.

Die besondere Relevanz von DER TRAFIKANT liegt in der Art und Weise, wie er anhand eines „kleinen“ Schicksals ein düsteres Kapitel in der Geschichtsschreibung wiedervorlegt und dabei beiläufig Parallelen zum Heute aufblitzen lässt, einer Zeit, in der es tatsächlich nicht mehr unmöglich erscheint, dass sich die Geschichte wiederholen könnte.