Warum ich hier bin

Regie: Mieko Azuma, Susanne Mi-Son Quester
Laufzeit:
65 Minuten
Genre:
Dokumentarfilm
FSK:
o.A
Schulunterricht / Altersempfehlung:
3. -6. Klasse | ab 8 Jahren
Themen:
Integration, Flucht, Heimat, Familie, Neuanfang, Fremdsein,Freundschaft, Individualität, Schule
Unterrichtsfächer:
Deutsch,Sachkunde, Ethik, Religion, Kunst

Beschreibung

Fünf Menschen unterschiedlichen Alters erzählen, warum sie als Kinder ihre Heimat verlassen mussten und wie es für sie war, ganz neu in Deutschland anzufangen: Leila aus Bosnien, Frau Schiller aus Ostpreußen, Lena aus Japan, Cacau aus Brasilien und Ahmad aus Syrien.

Ahmad (10) ist mit seiner Familie aus Syrien über das Mittelmeer nach Deutschland geflohen. Nun lebt er in der Nähe von Heidelberg. Mit Collin hat er dort einen Freund fürs Leben gefunden.
Lena (16) kam 2011 nach dem großen Erdbeben und dem Reaktorunglück von Fukushima aus Japan nach Deutschland.

Leila hat als 10jährige den Ausbruch des Bürgerkriegs in Jugoslawien erlebt. Ein halbes Jahr hat sie fast nur im Luftschutzkeller verbracht. Dann konnte sie zu Verwandten nach Deutschland fliehen.

Cacau wuchs in Brasilien auf. Sein Vater war alkoholkrank, seine Mutter zog ihn und seine beiden Brüder alleine auf. Als Teenager ging Cacau nach Deutschland, um Fußballer zu werden und wurde Deutscher Meister.

Karin Schiller (81) stammt aus Ostpreußen. Nach Ende des zweiten Weltkriegs floh sie als „Wolfskind“ vor der Hungersnot nach Litauen. Dort wurde sie von einer Familie aufgenommen.
Umsetzung und pädagogischer Ansatz
Die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen sprechen direkt in die Kamera und konfrontieren uns frontal. Manchmal sieht man ein Foto aus ihrem alten Leben, manchmal verwandeln sich die Geschichten in Zeichentrick. So geht die eine Welt fast nahtlos in die andere über, Schwarzweiß wird zu Farbe, Erinnerungen bekommen eine neue Form. Jede Episode hat dabei ihren eigenen visuellen Stil. Dramaturgisch ist dies eine wunderschöne Idee, die den Erlebnissen außerdem ihre Schwere und ihren Schrecken nimmt, ohne sie zu verharmlosen.
Das, was alle Geschichten miteinander verbindet, ist die Bedeutung der einzelnen Menschen, die einem geholfen und Mut gemacht haben. Nur mit Menschlichkeit und Freundschaft lässt sich die neue Welt ertragen, nur durch ehrliche Begegnungen wird sie wirklich lebenswert. Der gut einstündige Film vermittelt diese Werte und Erfahrungen der Kinder auf Augenhöhe, wenn sich die Filmemacherinnen in die Schulklasse von Ahmad und seinen Freunden begeben. Allein durch die Auswahl der Porträtierten wird schnell klar, dass es im Grunde gleichgültig ist, warum jemand seine Heimat verlassen musste, und auch wann dies geschah. Denn der zehnjährige Ahmad und die 82-jährige Karin teilen durchaus vergleichbare Erfahrungen. So ist der Film ein Plädoyer für Menschlichkeit und Offenheit dem und den Neuen gegenüber. Die kleine Schule in der Nähe von Heidelberg, einer der Hauptschauplätze des Films, ist vielleicht nicht gerade repräsentativ für die gesellschaftspolitische Lage in Deutschland – man kann und sollte sie aber vielleicht gerade als Zeichen der Hoffnung lesen.
Claudia Engelhardt