Nächster Halt: Fruitvale Station

USA 2013
Regie: Ryan Coogler
Laufzeit:
85 Min
Genre:
Drama
FSK:
ab 12 Jahre
Schulunterricht / Altersempfehlung:
9.-12. Klasse | ab 14 Jahren
Themen:
Rassismus, Vorurteile, Gewalt, USA
Unterrichtsfächer:
Deutsch, Englisch, Ethik, Religion, Kunst

Beschreibung

Inhalt
Nach einem Streit mit seiner Freundin Sophina wird dem 22-jährigen Oscar Grant am 31. Dezember 2008 endgültig klar, dass er sein Leben verändern muss. Er will seine Freundin nicht länger enttäuschen und ihr gegenüber unehrlich sein, er will sich mehr um seine kleine Tochter und seine Mutter kümmern und er will endlich mit dem Dealen von Drogen aufhören. Schließlich wurde er erst vor Kurzem aus einer langen Haftstrafe entlassen, die seine Familie auf eine schwere Probe gestellt hat. So besteht der Silvestertag für Oscar aus mehreren kleinen Begegnungen: Im Supermarkt, in dem ihm vor wenigen Wochen gekündigt wurde, kann er einer anderen Kundin helfen; der noch verbliebene Drogenvorrat landet im Meer; gemeinsam mit Sophina und seiner Tochter besucht er seine Mutter, um deren Geburtstag zu feiern. Sogar ein vollbesetzter Zug, der kurz vor dem Jahreswechsel stecken bleibt, kann die Laune von Oscar nicht trüben. Bis es zu einem Streit mit einem anderen Passagier kommt, die Polizei an der Fruitvale Station eingreift – und ein weißer Polizist den schwarzen Oscar erschießt.

Umsetzung
Über einen Zeitraum von 24 Stunden begleitet der auf wahren Begebenheiten beruhende Spielfilm seinen Protagonisten. Ryan Coogler sucht stets eine große Nähe zu Oscar und versucht anhand mehrerer Episoden, dessen Charakter, Wünsche und Probleme sichtbar zu machen. Dabei folgt er keinem klassischen Spannungsaufbau, sondern verlässt sich in der Tradition des US-amerikanischen Low-Budget-Independent-Kinos auf die Beobachtung kleiner Gesten und Begebenheiten, wodurch der Film bisweilen geradezu dokumentarisch wirkt. Den Bezug zur Realität stellt Coogler gleich zu Beginn her: Verwackelte Originalaufnahmen einer Handykamera zeigen, wie eine Gruppe junger schwarzer Männer von Polizisten brutal festgehalten wird, laute Rufe und schließlich ein Schuss sind zu hören. Somit ist von Anfang an klar, worauf die Handlung des Films hinauslaufen wird – Spannung entsteht vor allem durch die Frage, wie es zu diesem Ereignis kommen konnte und wer jener Mensch war, der damals erschossen wurde.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Coogler zeigt Oscar weder als Held noch als Identifikationsfigur, das Publikum lernt ihn durch die sehr präzisen Szenen sehr gut kennen. Für den Film ist dies umso wichtiger, weil Coogler vor allem eine Geschichte über Rassismus erzählen will. Indem er dem Mord an Oscar im Laufe der Handlung mehrere Szenen gegenüberstellt, die unaufdringlich das Miteinander schwarzer und weißer Menschen zeigen, regt er zum Nachdenken über gegenwärtige gesellschaftliche Verhältnisse an. Vor allem mit Bezug auf die US-amerikanische Gesellschaft kann ausgehend vom Film und dem zugrunde liegenden realen Fall über die Bedeutung von Rassismus gesprochen werden. Auch Bezüge zu ähnlichen Ereignissen und deren Folgen – wie etwa der Polizeigewalt gegen Rodney King 1991 – sind möglich. Allgemein lässt sich die quasi-dokumentarische filmische Gestaltung und deren Wirkung analysieren.

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