Mein Freund Knerten

Norwegen 2009
Regie: Åsleik Engmark
Laufzeit:
74 Minuten
Genre:
Literaturverfilmung, Abenteuer, Fantasy
FSK:
0
Schulunterricht / Altersempfehlung:
1.-4. Klasse | ab 6 Jahren
Themen:
Familie, Freundschaft, Kindheit/Kinder, Rollenbilder, Abenteuer, Arbeit/Arbeitslosigkeit, Umwelt
Unterrichtsfächer:
Gemeinschaftskunde

Beschreibung

Inhalt
Als der kleine Lillebror mit seinen Eltern und dem großen Bruder aus der Stadt in ein heruntergekommenes Holzhaus auf dem Land zieht, hat er plötzlich keine Freunde mehr. Doch eine andere Bleibe konnte sich der Vater nicht leisten. Dieser hat als Verkäufer von Unterwäsche ohnehin keinen leichten Stand, so dass die Mutter in einem Krämerladen Geld hinzuverdienen muss. So ist der Junge noch stärker auf sich selbst angewiesen. Beim Auslichten eines dicht am Haus stehenden Baumes schlägt der Vater eine Astgabel ab, die direkt vor Lillebrors Füßen landet - Knerten. Das magische Stück Holz kann sprechen und wird zu Lillebrors bestem Freund. Jeder passt auf, dass dem anderen nichts passiert. Als der Junge einer zufällig vorbeifahrenden bekannten Schauspielerin eine Strumpfhose aus dem Sortiment des Vaters verkauft, laufen auch die Geschäfte des Vaters wieder besser und schließlich tritt sogar eine kleine Prinzessin in das Leben von Lillebror und Knerten.

Umsetzung
Die Verfilmung des norwegischen Kinderbuchklassikers von Anne-Catherine Vestly spielt wie die Vorlage in den frühen 1960er-Jahren. Das Zeitkolorit spiegelt sich nicht nur in Ausstattung und Bekleidung der Personen. Es spielt auch dramaturgisch eine besondere Rolle, denn damals traten die bunten Strumpfhosen aus Nylon, die Lillebrors Vater verkauft, gerade erst ihren Siegeszug durch die Welt an, und den Müttern war es noch weitgehend vorbehalten, für Heim und Herd zu sorgen, statt wie Lillebrors Mutter für den Lebensunterhalt mit zu sorgen. Trotz der sich anbahnenden sozialen Umwälzungen ist die Welt auf dem Land ähnlich der in einigen Büchern der schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren noch weitgehend in Ordnung. So wie bei ihrem „Karlsson auf dem Dach" sucht auch hier ein kleiner Junge namens Lillebror einen Freund, der aus der Welt der Magie und der Phantasie kommt. Dazu gehören auch einige kurze Szenen, die dem Genre des Horrorfilms nachempfunden sind und Lillebrors Ängste und Albträume visualisieren, dem insgesamt ruhigen Erzählstil aus der konsequenten Perspektive eines Kinders aber keinen Abbruch tun. Knerten, der sprechende Ast, wurde nachträglich im Computer animiert.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Obwohl die Handlung in einer längst vergangenen Zeit spielt, bietet der Film für die angesprochene Zielgruppe der jüngeren Kinder genügend Anknüpfungspunkte und Identifikationsmöglichkeiten zu den Themen Freundschaft, Einsamkeit, Überwindung von Ängsten oder auch erste (ambivalente) Begegnungen mit dem anderen Geschlecht. Vor dem Hintergrund berufstätiger Eltern und auf sich selbst angewiesener Kinder ergeben sich sogar überraschend aktuelle Bezüge. Die Welt der Phantasie und Magie, die bei Kindern noch nahtlos in die reale Welt überwechselt, Knerten erst zum Leben erweckt und auch die Strumpfhosen zweckentfremdet, bietet genügend Raum für Mal- und Bastelaktionen. Die Begegnung mit Horrorfilmelementen übt einen reflektierten und distanzierten Umgang mit solchen Szenen ein. Weitere Anknüpfungspunkte ergeben sich durch Vergleiche mit der Buchvorlage oder mit den Geschichten von Astrid Lindgren. Die filmische Begegnung mit der Welt der Großeltern schließlich lässt sich als Teil des Dialogs der Generationen nutzbar machen.

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