Latte Igel und der magische Wasserstein

Deutschland, Frankreich, Belgien 2019
Regie: Nina Wels, Regina Welker
Laufzeit:
82 Min
Genre:
Literaturverfilmung, Animationsfilm, Kinderfilm
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Schulunterricht / Altersempfehlung:
1. bis 5. Klasse | 6 bis 10 Jahre
Themen:
Freundschaft, Abenteuer, Gemeinschaft, Außenseiter, Tiere, Märchen, Ökologie, Umwelt, Heldentum, Wünsche
Unterrichtsfächer:
vorfachlicher Unterricht, Deutsch, Sachkunde, Religion, Ethik/Lebenskunde

Beschreibung

Inhalt
Im Streit verschütten das Igelmädchen Latte und der Eichhörnchenjunge Tjum einen Teil des Wasservorrats der im Wald lebenden Tiergemeinschaft. Das ist umso dramatischer, weil der nahe gelegene Bachlauf derzeit trocken liegt und das Wasser somit knapp ist. In der Krisenstimmung fliegt der Rabe Korp heran und berichtet, dass die Quelle versiegt ist, weil der Bärenkönig Bantur den magischen Wasserstein gestohlen hat. Zwar stempeln die Tiere die Erzählung des Raben als Märchen ab, doch die Igelin Latte bricht trotzdem auf, um den Stein aus der Bären-Palasthöhle zurückzuholen: Immerhin sieht die Außenseiterin Latte eine Gelegenheit, dadurch endlich akzeptiert zu werden. Der hasenfüßige Tjum folgt ihr, um sie zur Umkehr zu bewegen, was allerdings misslingt. So unternehmen die ungleichen Tiere eine Abenteuerreise, die sie näher zusammenbringt und die Wassermisere löst.

Umsetzung
Das adaptierte Kinderbuch des finnischen Autors Sebastian Lybeck erhielt 1959 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Während Latte im Buch ein Junge ist, macht das Animationsfilm-Skript von Andrea Deppert und Martin Behnke den Igel zur Igelin. Einerseits bringt das eine neue Dynamik in die Zweier-Reisegruppe, andererseits entspricht die Anpassung den aktuellen Bemühungen, mehr weibliche Identifikationsfiguren zu kreieren. Bei der Umsetzung setzen die Regisseurinnen Nina Wels und Regina Welker indes auf bewährte Muster wie eine vitale Mischung aus Humor, Slapstick und ernsten Zwischentönen. Dass der Film vergleichsweise schlicht animiert ist, stört kaum, zumal einige zauberhafte Lichtspiele die im Plot angelegte Märchenatmosphäre aufgreifen. Komplett überzeugend fallen der eingängige Score und die lebhafte Synchronisation aus. Auch das Thema rund um Wassermangel ist stimmig inszeniert.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Im Wald hat es seit Wochen nicht mehr geregnet! Zunächst bietet das Motiv, dass im Wald lebende Tiere in ihrer Existenz bedroht werden, eine Anknüpfungsmöglichkeit. Wie reagieren die Tiere auf die schwindenden Wasservorräte, was steht auf dem Spiel? Gerade die drohende Dürre kann eine Auseinandersetzung mit aktuellen Umweltproblemen anregen. Wenn der Rabe Korp seine Binnenerzählung mit der Formel „Es war einmal“ einleitet, oder Latte und Tjum während ihrer Heldenreise einer hexenartigen Kröte begegnen, liefern die Märchenmotive ebenfalls Gesprächsstoff. Darüber hinaus offerieren die Vermenschlichung der Tiere und die deutlich angelegten Themen Freundschaft und Zusammenhalt Anlass für ein Unterrichtsgespräch. Anfangs behauptet Latte eine Prinzessin zu sein, um sich Respekt zu verschaffen. Wie kommt es, dass Tjum die Lüge als „nicht schlimm“ erachtet? Und aus welchen Gründen rebelliert der Bärenprinz Amaroo gegen seinen Vater?