Gott, du kannst ein Arsch sein!

Deutschland 2020
Regie: André Erkau
Laufzeit:
98 Min
Genre:
Literaturverfilmung, Drama, Komödie, Roadmovie
FSK:
ab 6 Jahre
Schulunterricht / Altersempfehlung:
ab 8. Klasse | ab 13 Jahre
Themen:
Begegnung, Krankheit, Lebenskrise(n), Tod/Sterben, Erwachsenwerden, Freundschaft, Liebe
Unterrichtsfächer:
Deutsch, Ethik, Religion

Beschreibung

Inhalt
Mit dem Realschulabschluss in der Tasche will Steffi Polizistin werden und vorher, auf der Abschlussfahrt nach Paris, das erste Mal mit Fabian erleben. Doch es kommt anders: Der 16-Jährigen wird ein Bronchialkarzinom diagnostiziert, das bereits gestreut hat. Selbst mit einer anschlagenden Chemotherapie bleiben ihr nur noch wenige Monate zu leben. Steffis Eltern Eva und Frank wollen ihre Tochter zur Behandlung bewegen, doch die will lieber der abgereisten Schulklasse nach Paris hinterher fahren. Als Fahrer bietet sich der wenig ältere, lebensverdrossene Steve an, den Steffi gerade erst bei seinem Job als Motorrad-Akrobat im Zirkus kennengelernt hat. Im Pick-up-Truck von Steffis Vater geht es Richtung Frankreich. Unterwegs erleben die beiden kleinere und größere Abenteuer mit Tankstellenbesitzern oder Kühen und wachsen sich nach anfänglichen Streitereien gegenseitig ans Herz. Steffis besorgte Eltern nehmen die Verfolgung auf und realisieren, dass der Wunsch ihrer Tochter nach neuen Erfahrungen vor dem baldigen Tod gar nicht so kopflos ist wie gedacht.

Umsetzung
„Gott, du kannst ein Arsch sein!“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Frank Pape, der darin die letzten 296 Tage seiner an Krebs verstorbenen Tochter verarbeitet. Allerdings lehnen Katja Kittendorf und Tommy Wosch die Drehbuchadaption sehr lose an die wahre Begebenheit an und verdichten die Handlung beispielsweise auf drei Tage nach der Diagnose. Der Regisseur André Erkau hat daraus ein tragikomisches Jugenddrama entstehen lassen, das mit fortschreitender Laufzeit immer mehr für sich einnimmt. Einerseits weist der Film Mainstream-Elemente wie Kranfahrten ohne erzählerischen Mehrwert, Musik zu sämtlichen Gelegenheiten und zig Gastauftritte von Stars wie Benno Fürmann auf; dazu die Besetzung der Eltern mit Heike Makatsch und Til Schweiger, der hier einen Pastor spielt. Andererseits gelingen viele wahrhaftige und nachdenkliche Momente, bei denen sich der lakonische Humor und die ernste Tragik zu einem stimmigen Ganzen verbinden, das die von Michael Regner und Florian Kreier komponierten Songs passend untermalen. Nicht zuletzt trägt die Chemie zwischen der Newcomerin Sinje Irslinger und Max Hubacher zum Gelingen bei.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Inhaltlich bietet der Film zunächst ein Gespräch zum Thema Krankheit und Jugend an. Wie inszeniert André Erkau Steffis Umgang mit der Krebsdiagnose, welche Motive bewegen sie, die Chemotherapie auszuschlagen? Die hässlichen Seiten der Krankheit blendet der Film aus: „Ist das der Krebs?“, wird Steffi gefragt, als sie sich übergibt. Ihre Antwort – „Nein, der Tequila“ – verweist auf das Wesensmerkmal des Films, die Tragik mit Humor zu erzählen. Ein Vergleich mit ähnlichen Filmen von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (USA 2014) bis „Club der roten Bänder“ (D 2019) kann die Frage aufwerfen, warum das Motiv schwerkranker Jugendlicher so beliebt ist. Und ein Abgleich mit der Buchvorlage regt eine Diskussion über den Medienwechsel vom Buch zum Film an. Worin unterscheiden sich die Medien – und warum ist es oft sinnvoll bis notwendig, eine Literaturvorlage für das Kino abzuwandeln? Im konkreten Fall übernimmt die Adaption lediglich die Grundkonstellation der Vorlage, weshalb die Anlehnung an das erfolgreiche Buch kritisch als marketingstrategische Überlegung hinterfragt werden kann. Zudem kann eine Figurenanalyse herausarbeiten, wie sich Steffi und Steve gegenseitig ergänzen und stützen. Die Planerin, die voller Lebenslust steckt und plötzlich mit dem Tod konfrontiert ist, lässt sich von Steves Spontanität inspirieren – und umgekehrt.

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