Eldorado

Schweiz, Deutschland 2018
Regie: Markus Imhoof
Laufzeit:
92 Min
Genre:
Dokumentarfilm
FSK:
ab 6 Jahre
Schulunterricht / Altersempfehlung:
ab 9. Klasse | ab 14 Jahre
Themen:
Migration, Flüchtlinge/Geflüchtete, Afrika, Europa, Heimat, Werte, Verantwortung, Menschenrechte/-würde, Arbeit, Ausbeutung, Globalisierung
Unterrichtsfächer:
Politik, Sozialkunde, Religion, Ethik, Geschichte, Deutsch

Beschreibung

Inhalt
1945 war die achtjährige Giovanna abgemagert aus dem zerbombten Mailand in die Schweiz gekommen und als „Ferienkind“ von der Familie des damals etwas jüngeren Markus Imhoof aufgenommen worden. Das Schicksal Giovannas, die 1946 zurück nach Italien geschickt wurde, bevor sie 1949 erneut kurzzeitig zu den Imhoofs zurückkehrte und bald darauf gestorben ist, hat die Biografie des später selbst in Italien lebenden und 1981 mit dem Flüchtlingsspielfilm „Das Boot ist voll“ hervorgetretenen Regisseurs nachhaltig geprägt. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen verfolgt „Eldorado“ die Spuren heutiger Bootsflüchtlinge im Mittelmeer, die im Rahmen der Operation Mare Nostrum von der italienischen Marine gerettet und ans Festland gebracht werden, dort die Aufnahmeprozeduren durchlaufen und in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht werden. Gezeigt werden aber auch von der Mafia kontrollierte Migrantenghettos mit einer Schattenwirtschaft, in der Ausbeutung und Prostitution herrschen. Nicht zuletzt begleitet der Film einige der wenigen Flüchtlinge, die es bis in die Schweiz geschafft haben, ohne dort ihres Aufenthalts sicher sein zu können.

Umsetzung
Der sehr persönliche Zugang verwebt prägende Erfahrungen aus der Kindheit des Regisseurs mit gegenwärtigen Beobachtungen aus der „Festung Europa“. Die beiden korrespondierenden Erzählstränge werden immer wieder miteinander verknüpft, ineinander verschachtelt und gespiegelt. Rhythmisch geschmeidige Montage verbindet umfangreiches Familienfotomaterial, Auszüge aus Giovannas Briefen und Kinderzeichnungen, von der Voice-Over-Stimme des Regisseurs beredt zum Sprechen gebracht, mit kaum weniger eindringlichen Bildsequenzen von der aktuellen Flüchtlingssituation und erhellenden Off-Kommentierungen. Auf der Basis der besonderen biografischen Prägung gewinnt der vielschichtige, die Perspektive eines teilnehmenden Beobachters einnehmende Film mit dem Versuch einer globalisierungs- und EU-subventionskritischen Einordnung der Flüchtlingskrise und ihrer Ursachen am Beispiel fataler wirtschaftlicher Kreisläufe eine aufschlussreich erweiterte Dimension jenseits einschlägiger Dokumentarfilme zum Thema.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die von Imhoofs Film glaubwürdig exponierte Unverstelltheit des Kinderblicks im Kontrast zu den medialen Blickroutinen auf das Flüchtlingsthema ermöglicht Schüler*innen eigene Zugangsweisen auch und gerade zu bedrückend aktuellen Aspekten der Flüchtlingskrise wie Ausbeutung und Prostitution. Es ergeben sich eine Vielzahl emotional ansprechender Einblicke in Motive und Ursachen für Flucht und Migration, die historisch, politisch und wirtschaftlich spezifisch zu betrachten, bei alledem weit über den besonderen italienisch-schweizerischen Kontext des Films hinaus relevant sind. Gut anknüpfen lässt sich hier z. B. an die Sequenz mit den bei der Tomatenernte in Süditalien sklavenarbeitsähnlich eingesetzten Migrant*innen aus Afrika, die in Ghettos leben, in denen Willkür herrscht und Prostitution gedeiht. Anschaulich nachvollziehen lässt sich daran ein System, das durch in Südeuropa ausbeuterisch produzierte und kostengünstig in die afrikanischen Länder exportierte landwirtschaftliche Produkte einen entwicklungszerstörerischen, Fluchtbewegungen ganz entscheidend mit verursachenden Wirtschaftskreislauf entstehen lässt.

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