Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit

USA 2018
Regie: Mimi Leder
Laufzeit:
121 Min
Genre:
Drama, Biografie
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Schulunterricht / Altersempfehlung:
ab 9. Klasse | ab 14 Jahre
Themen:
Frauenrechte, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Diskriminierung, Rollenbilder, USA, Justiz, Geschichte, gesellschaftlicher Wandel, Gerichtsfilm, Biopic
Unterrichtsfächer:
Deutsch, Englisch, Ethik, Religion, Politik, Sozialkunde, Geschichte, Kunst

Beschreibung

Inhalt
Für die Riege der Professoren an der Harvard Law School ist es im Jahr 1956 immer noch ein seltsamer Anblick, plötzlich Studentinnen in ihren Vorlesungen zu sehen. Erst seit wenigen Jahren sind Frauen zum Jurastudium zugelassen. Eine davon ist Ruth Bader Ginsburg – und die weiß den Männern selbstbewusst die Stirn zu bieten. Mustergültig vereinbart sie ihre Rolle als Mutter, Ehefrau und Studentin und fällt zudem durch ihre herausragenden Leistungen auf. Eine Anstellung als Anwältin findet sie aufgrund der Vorurteile gegenüber Frauen sogar nach Abschluss ihres Studiums zu Beginn der 1970er-Jahre nicht. Dann jedoch weist ihr Mann, ein Steuerrechtler, sie auf einen möglichen Präzedenzfall hin, in dem es um Diskriminierung aufgrund des Geschlechts geht. Das Besondere an dem Fall: Benachteiligt ist keine Frau, sondern ein Mann. Gemeinsam mit ihrem Mann und unterstützt von einer Bürgerrechtsvereinigung legt sie Berufung ein. Denn Ginsburg sieht die Chance, um die gesetzlich verankerte Ungleichbehandlung von Männern und Frauen dadurch an die Öffentlichkeit zu bringen und auf die Benachteiligung von Frauen zu Fall zu bringen.

Umsetzung
„Die Berufung“ ist teils Biopic, teils Gerichtsfilm und erzählt vor dem Hintergrund der sich wandelnden US-Gesellschaft von den konservativen 1950er-Jahren bis hinein in die 1970er-Jahre über Diskriminierung und den Kampf um Gleichberechtigung von Frauen und Männern. In einer charmanten Eröffnungssequenz macht der von Mimi Leder inszenierte Film bereits Ruth Bader Ginsburgs Sonderrolle als Frau an der Universität bildlich deutlich. Erschreckend wiederum sind die Aussagen der Männer, mit denen diese versuchen, ihren Status quo zu festigen und einen Blick auf ihre engstirnigen Rollenbilder freigeben. Dieser sexistischen, von Männern bestimmten Welt stellt der Film die Beziehung zwischen Ruth und ihrem Mann Martin entgegen, die unzeitgemäß modern wirkt und mit traditionellen Geschlechterrollen bricht. Während Ruth mit ihrem Mann die Berufung vorbereitet, wandelt sich das Biopic zum klassischen Gerichtsfilm – und erlaubt sich durch einen Konflikt zwischen Ruth und ihrer Tochter im Teenageralter zugleich einen Ausblick darauf, wie die 68er-Bewegung bereits die Selbstwahrnehmung junger Frauen verändert hat und eine neue Zeit anzubrechen scheint.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
„Die Berufung“ lädt zunächst dazu ein, sich mit der realen Ruth Bader Ginsburg zu beschäftigen, die seit 1993 Richterin am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten und in ihrer Heimat überaus populär ist. Anhand des Films lässt sich dadurch etwa erarbeiten, wie das Leben einer Persönlichkeit zu einem interessanten Biopic verdichtet werden kann. Das zentrale Thema des Film jedoch ist die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Über diese lässt sich hier aus historischer Perspektive sprechen, vor allem vor dem Hintergrund der 68er-Bewegung, aber auch Bezüge zur gegenwärtigen Situation und der aktuellen #MeToo-Debatte sind möglich. Mit dem Schwerpunkt Landeskunde eröffnet der Film auch Möglichkeiten, die derzeitige Situation in den USA in den Blick zu nehmen. Unabdingbar für ein Verständnis des Films ist auch ein kurzer Einblick in das vom „Case Law“ bestimmte US-amerikanische Rechtssystem, das auf richterlichen Einzelentscheidungen und Präzedenzfällen beruht anstatt auf allgemeinen Gesetzen. Erst dadurch wird deutlich, wogegen Ginsburg im Film ankämpft und welchen Stellenwert die Berufung hat.

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