Der Junge muss an die frische Luft

Deutschland 2018
Regie: Caroline Link
Laufzeit:
95 Min
Genre:
Drama, Komödie, Biografie
FSK:
ab 6 Jahre
Schulunterricht / Altersempfehlung:
ab 7. Klasse | ab 12 Jahre
Themen:
Biografie, Geschichte, Familie, Kindheit, Gender/Geschlechterrrollen, Tod/Sterben, Medien
Unterrichtsfächer:
Deutsch, Geschichte, Sozialkunde, Kunst, Musik

Beschreibung

Inhalt
Recklinghausen, um 1970: Im Hause Kerkeling ist Humor seit jeher Familien- und vor allem Frauensache. Zwei Großmütter, mehrere Tanten und die gesamte Nachbarschaft liefern Hans-Peter, genannt Hape, von klein auf Stoff für seine beliebten Parodien. In der feierfreudigen Großfamilie geht es oft hoch her. Sich seines Talents voll bewusst, verfolgt der Junge allerdings ein ernstes Ziel: Er will die Depressionen seiner Mutter vertreiben, indem er sie zum Lachen bringt. Als das misslingt und sie sich das Leben nimmt, ist er am Boden zerstört. Doch die Familie lässt Hape nicht hängen. Weil Vater meist auf Arbeit ist, springen die betagten Großeltern ein. Als sie unter seiner Regie auch noch das Jugendamt überlisten, schöpft Hape neuen Lebensmut. Der Karriere als TV-Entertainer steht nichts mehr im Weg. Auch wenn Loriot erst einmal absagt.

Umsetzung
Unter den deutschen Comedians, Kabarettisten, Entertainern, Schriftstellern und Sängern – er ist alles zusammen – genießt Hape Kerkeling die wohl höchsten Sympathiewerte. Gewisse Wiedererkennungseffekte sind unvermeidbar, wenn sich der pummelige Hape immer wieder in Frauenkleider stürzt, um nicht nur zum Karneval die Familie zu erfreuen. Wie die zugrundeliegenden Memoiren wählt aber auch Caroline Link eher die leisen Töne. In bedachtsam komponierten Bildern entwickelt sich das Panorama einer weitverzweigten Familie, ohne deren Zusammenhalt und innige Liebe das Phänomen Hape Kerkeling undenkbar wäre. Ihre kleinen Marotten und Zankereien werden ebenso sensibel porträtiert wie die Depressionen der Mutter, deren Suizid und anschließende Beerdigung das Kind vor eine kaum zu bewältigende Belastungsprobe stellen. Mit warmherzigem Gespür – und kräftigem Dialekt – entsteht so auch ein stimmiges Bild des Ruhrgebiets und seiner Menschen.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Auch ohne tieferes Wissen um die prominente Hauptfigur lassen sich die wesentlichen Merkmale dieser außergewöhnlichen Biografie entschlüsseln. Die Schülerinnen und Schüler können darlegen, inwieweit Komik auch in ihrem Umfeld der Konfliktbewältigung dient. Im Fall Kerkelings, der 1991 gegen seinen Willen als homosexuell geoutet wurde, beinhaltet diese humoristische Herangehensweise auch das Spiel mit Geschlechterrollen. Die sensible Darstellung im Film ermöglicht eine offene Diskussion des Themas, zum Beispiel über den Unterschied zwischen Performance und Identität. Mittels der Themen Heimat und Dialekt – hier am Beispiel des Ruhrgebiets – können die Jugendlichen erörtern, wie ihre Heimat in der Regel im Film präsentiert wird und was man dadurch über Menschen erfährt. Anhand Hapes unbeirrbarem Willen zur Berühmtheit kann schließlich diskutiert werden, wie sich die medialen Voraussetzungen für eine Promi-Karriere seit damals verändert haben.

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