Der Fall Collini

Deutschland 2019
Regie: Marco Kreuzpaintner
Laufzeit:
118 Min
Genre:
Literaturverfilmung, Drama
FSK:
ab 12 Jahre
Schulunterricht / Altersempfehlung:
ab 10. Klasse | ab 15 Jahre
Themen:
Deutsche Geschichte, Nationalsozialismus, Gerechtigkeit/Recht, Justiz/Selbstjustiz, Schuld, Verantwortung und Sühne, Literaturverfilmung
Unterrichtsfächer:
Deutsch, Geschichte, Sozialkunde, Politik, fächerübergreifend Demokratieerziehung

Beschreibung

Inhalt
Berlin 2001: Der angesehene Unternehmer und Familienpatriarch Hans Meyer ist in seiner Hotelsuite scheinbar motivlos von dem unbescholtenen Fabrizio Collini erschossen worden. Zu seinem Pflichtverteidiger wird der junge Rechtsanwalt Caspar Leinen bestellt. Auch als sich herausstellt, dass der Getötete für den heranwachsenden Leinen einst so etwas wie ein Ersatzvater war und zudem der Großvater seiner nach wie vor nicht ganz erloschenen Jugendliebe Johanna ist, nimmt er das Mandat wahr, den schweigsamen Collini zu verteidigen. Nicht gerade Konflikt erleichternd bekommt es der engagierte Anwalt auf der Gegenseite mit dem legendären Strafverteidiger Professor Richard Mattinger zu tun. Leinen gelingt es jedoch zu beweisen, dass Hans Meyer im 2. Weltkrieg SS-Sturmbannführer war und aufgrund seiner Verantwortung für Hinrichtungen angeblicher Sympathisanten von Partisanen in Italien 1943 keineswegs der ehrenwerte Mann war, der er vorgab zu sein – und dass Collini sehr wohl ein Tatmotiv hatte. Sein Fall rührt an einen der größten Justizskandale der bundesrepublikanischen Geschichte.

Umsetzung
Die Adaption in Form eines Genremixes aus Gerichts-, Familiendrama und Politthriller setzt Sujet wie auch Erzählweise des zugrundeliegenden Romans mitsamt seiner aufklärerischen Haltung frei um. Sorgfältig inszenierte Gerichtssequenzen mit Gespür für die Dramaturgie von Dialogen werden immer wieder unterbrochen von parallel geführten, schlaglichtartigen Erzählsträngen, insbesondere von Rückblenden mit Einblicken in die Familiengeschichte des Patriarchen und in schreckliche Begebenheiten der deutschen Besetzung Italiens während des 2. Weltkriegs. Zunächst meint man, der Erzählung eines gewöhnlichen Kriminal- und Gerichtsfilms beizuwohnen, bevor einem nach und nach Episoden eines rechtsgeschichtlichen Skandalfalles wie in einem Mosaik vor Augen geführt werden – ein Stück fesselnd und unterhaltsam dargebotener Rechtsgeschichte mit Thrill. Getragen wird der Film nicht zuletzt von einer gut besetzten Darsteller-Crew.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der spannend umgesetzte Film bietet sowohl mit Blick auf die historische Dimension von Kriegsverbrechen als auch auf den justiziellen Umgang damit eine Reihe von Anknüpfungsmöglichkeiten für Jugendliche. Vor allem anhand der Figur des sympathischen jungen Anwalts mit seinem idealistischen Engagement und seiner Zerrissenheit zwischen Privatem und Beruflichem dürfte es älteren Schüler*innen im Fachunterricht mit geschichtsbezogenen und gesellschaftspolitischen Schwerpunkten gut gelingen, die anschaulich vermittelten Konfliktlinien zwischen Recht und Gerechtigkeit, Justiz und Selbstjustiz sowie Schuld, Verantwortung und Sühne vertiefend zu reflektieren. Ungleich ansprechender als in vielen eher trocken-sachlich daherkommenden Gerichtsfilmen lassen sich mit Hilfe der erfrischenden filmischen Komposition nicht nur zentrale Mechanismen und Funktionsweisen unseres Rechts- und Politiksystems exemplarisch diskutieren, sondern auch dessen Mängel und Gerechtigkeitsdefizite im Einzelnen. Nicht zuletzt das „offene Ende“ ohne Urteilsspruch vermag Schüler/innen dazu einzuladen, selbst zu denken und sich ein Urteil zu bilden.

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