Das kalte Herz

Deutschland 2016
Regie: Johannes Naber
Laufzeit:
115 Minuten
Genre:
Literaturverfilmung, Märchen, Fantasy
FSK:
12
Schulunterricht / Altersempfehlung:
7. - 12. Klasse / ab 12 Jahre
Themen:
Armut und Reichtum, Ausbeutung, Wertvorstellungen, Liebe, Schuld, Märchen, Mythologie, Naturmagie, Ökologie, Handwerk
Unterrichtsfächer:
Deutsch, Sozialkunde, Geschichte, Geographie, Ethik, Religion, Philosophie

Beschreibung

Inhalt
Der Köhlerjunge Peter Munk lebt trotz harter Arbeit in Armut. Von anderen Handwerkern gedemütigt träumt Peter von Reichtum und Anerkennung. Und tatsächlich geht es aufwärts, als ihm das geheimnisvolle Glasmännchen drei Wünsche erfüllt: Geld fürs Würfelspiel, großes Können auf dem Tanzboden und eine eigene Glashütte. Um die Glasmachertochter Lisbeth zu heiraten, benötigt Peter aber noch mehr Geld. Der finstere Holländer-Michel hat die Lösung: Wenn Peter sein Herz hergibt, ist der Weg frei für eine erfolgreiche Karriere ohne Angst und Skrupel. Der Köhlerjunge lässt sich darauf ein. Von einer längeren Reise kehrt er als kaltherziger, reicher Holzhändler zurück. Er zerstört die Existenz seines Konkurrenten und bereitet die Hochzeit mit Lisbeth vor. Aber die hat Peter durchschaut und verweigert das Ja-Wort. Bei einer Auseinandersetzung stürzt sie vom Felsen und bleibt leblos liegen. Peter begreift nun doch, dass etwas schief gelaufen ist. Er verlangt vom Holländer-Michel vergeblich sein Herz zurück. Noch einmal greift das Glasmännchen ins Geschehen ein.

Umsetzung
Schon die Textvorlage von Wilhelm Hauff beginnt mit einer präzisen Darstellung der Situation im Schwarzwald um 1800: Der Holzhandel und die beginnende Industrialisierung zerstören die alten Waldbestände und führen zu sozialen Verwerfungen. Der Film knüpft hier an und zeigt das raue Leben der Handwerker in stimmungsvoller Gebirgslandschaft. Das Licht ist oft spärlich, es wird getrunken und geprügelt. Der Felsenkeller des Holländer-Michel erinnert an ein Frankenstein-Labor und der Anblick herausgeschnittener Herzen ist für sensible Zuschauer/innen eine Herausforderung. Die Präsenz des Irrationalen, verbunden mit einer wachsenden Ökonomisierung – diese Zutaten rücken den Film aus fernen Zeiten nah an die Gegenwart. Dramaturgisch wurde die Erzählung spürbar verdichtet. Tragendes Element ist nun die Liebesgeschichte zwischen Peter Munk und der Glasmacher-Tochter Lisbeth, die wiederum dem Holzfäller-Sohn Bastian versprochen ist. So entsteht ein modernes Fantasy-Drama, in dem raue Wirklichkeit auf Naturmagie trifft.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film ist aufgrund seiner zum Teil drastischen Darstellungen frühestens ab Klasse 7 geeignet. Man würde ihm nicht gerecht werden, wenn man ihn auf das Thema „Märchenverfilmung“ reduzieren würde. Vielmehr kann er der Film gewinnbringend im Kontext fantastischer Literatur oder als Beispiel für Literaturverfilmungen eingesetzt werden. Die sorgfältige Aufarbeitung des historischen Szenarios und der ökonomisch-sozialen Konflikte bietet Anschauungsmaterial für die gesellschaftlichen Fächer, entweder mit einem historischen (wirtschaftliche und soziale Entwicklungen im 18. Jahrhundert) oder einem sozialkundlich-geografischen Schwerpunkt (naturräumliche Gegebenheiten und Zusammenhang mit sozialen und ökonomischen Lebensbedingungen). Das Geschäft mit dem Holländer-Michel und die anschließende Persönlichkeitsveränderung regen zum Nachdenken über die Frage nach Lebenszielen und Wertvorstellungen in einer ökonomisierten Welt an.

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