Wildes Herz

Deutschland 2018
Regie: Charly Hübner, Sebastian Schultz
Laufzeit:
90 Min
Genre:
Dokumentarfilm
FSK:
ab 12 Jahre
Schulunterricht / Altersempfehlung:
ab 11. Klasse | ab 16 Jahre
Themen:
Musik, Punk, Rechtsextremismus, Linksextremismus, Gewalt, politisches Engagement, Protest, Demokratie, Heimat, Familie, Erwachsenwerden, Fußball-Ultra-Bewegung
Unterrichtsfächer:
Politik, Sozialkunde, Musik, Deutsch, Kunst, Religion, Ethik

Beschreibung

Der Dokumentarfilm begleitet die linksradikale Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ um den Sänger „Monchi“ auf einer Tour durch das strukturschwache Mecklenburg-Vorpommern. Die Tour unter dem Motto „Noch nicht komplett im Arsch“ soll im Landtagswahlkampf 2016 gegen wachsenden Rechtsradikalismus mobilisieren. Der Film zeichnet ein ambivalentes Bild einer Gegenkultur,die sich zwar leidenschaftlich, aber ohne klare Distanzierung von Gewalt gegen Rechtsradikalismus einsetzt.  
Inhalt

Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern 2016: Zwischen Anklam, Parchim und Rostock erhält rechtes Gedankengut regen Zuspruch. „Gehen oder bleiben?“, fragen da die Mitglieder der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet. Doch für den Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow und seine Kollegen ist klar: Sie wollen bleiben, Position beziehen und in ihrer Heimat den Zusammenhalt gegen Rechts stärken. Mit ebenso nachdenklichen wie radikalen Liedtexten touren sie durchs Land und setzen sich auf und neben der Bühne entschieden gegen Fremdenfeindlichkeit ein. Der Dokumentarfilm begleitet sie dabei, fängt die Stimmung ein und zeigt, was die Musiker antreibt. Im Mittelpunkt des Films steht der Sänger „Monchi“. Als Grundschüler wissbegierig, als Jugendlicher in der Ultra-Bewegung von Hansa Rostock und heute als Gesicht der sechsköpfigen Band ist der linke Aktivist eine widersprüchliche Person, an der sich Meinungen reiben, Fragen aufdrängen: Wie dehnbar ist das Recht auf freie Meinungsäußerung? Wie politisch kann Musik sein? Und welche Formen, Möglichkeiten und Grenzen haben zivilcouragiertes Handeln und politischer Aktivismus in unserer heutigen Zeit?

Umsetzung

In einer Mischung aus Künstlerporträt, Bandfilm und gesellschaftspolitischer Bestandsaufnahme baut sich der Film aus dokumentarischen Passagen, früheren Videoaufnahmen und zahlreichen Interviews aus dem persönlichen Umfeld der Band auf. Die Zuschauer*innen hören Erinnerungen und Einschätzungen von „Monchis“ Eltern, seiner Lehrerin oder dem Pastor seiner Heimatgemeinde Jarmen; stehen bei Konzerten mit auf der Bühne und begegnen in „Monchi“ einem streitbaren Menschen, der selbstkritisch vor der Kamera zeigt, wie er sich gegen Rassismus stellt, vor Gewalt aber nicht zurückschreckt. Im ersten Teil auf seine Kindheit und Jugend konzentriert, später Feine Sahne Fischfilet auf ihrer Tour folgend, webt der Film immer wieder die Musik der Band ein und greift damit Ambivalenzen auf: Humanistische Überzeugungen treffen auf gewaltbetonten Aktivismus; die künstlerische Freiheit der Band wird durch die Beobachtungen des Verfassungsschutzes hinterfragt. Dass WILDES HERZ dabei auf jeglichen einordnenden Kommentar verzichtet, fordert er das Publikum auf, sich selbst zu positionieren.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit

Indem die Regisseure ihren Dokumentarfilm um den polarisierenden Frontsänger „Monchi“ herum aufbauen, schaffen sie ein filmisches Dokument, das musikkünstlerische, subkulturelle und gesellschaftspolitische Perspektiven miteinander verbindet. Die zentralen Themen des Films lassen sich dabei besonders gut fächerübergreifend betrachten: An Fragen nach politischem Extremismus oder Diskussionen um Form, Sinn und Maß von gewaltbetontem Aktivismus schließen sich Betrachtungen zur Meinungs- und künstlerischen Freiheit oder zu Möglichkeiten der Teilhabe an gelebter Demokratie an. Auch die Entwicklung der Figur „Monchis“ kann genauer erarbeitet werden. Die kritische Auseinandersetzung mit Form und Aufbau des Films sollte dabei jedoch nicht zur kurz kommen. Zudem ermöglicht eine genauere Betrachtung der Liedtexte eine offene Diskussion über deren Grad an Subversion und wirft Fragen nach dem „Wie wollen wir leben?“ auf. Nicht zuletzt lohnt  sich  eine Auseinandersetzung  mit  der  Filmgattung Dokumentarfilm und im Speziellen mit der Machart von Wildes Herz. Darüber soll nicht nur geklärt  werden,  wie der  Film  sein Thema  vermittelt  und  welche   Position er in Bezug auf sein Sujet einnimmt, sondern vor allem soll darüber auch die mediale Kritikfähigkeit der jungen Zuschauer/innen geschult werden.

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