Wackersdorf

Deutschland 2018
Regie: Oliver Haffner
Laufzeit:
123 Min
Genre:
Drama
FSK:
ab 6 Jahre
Schulunterricht / Altersempfehlung:
ab 9. Klasse | ab 14 Jahre
Themen:
Demokratie, Meinungsbildung, Politik, Bürgerbewegung, Recht, Rechtsstaat, Widerstand, Macht/Machtgefüge, Mut, Verantwortung, Umwelt, Idealismus, Deutsche Geschichte Konflikt/ Konfliktbewältigung
Unterrichtsfächer:
Politik, Sozialkunde, Geschichte, Ethik, Physik, Deutsch, Philosophie

Beschreibung

Inhalt
Der Film verdichtet die Geschichte um das Scheitern des Baus einer Wiederaufbereitungsanlage (WAA) für abgebrannte atomare Brennstäbe in Wackersdorf/Oberpfalz. Forciert durch die Bayerische Staatsregierung fällt die Wahl für einen geeigneten Standort Anfang der 1980er Jahre auf diese strukturschwache Gegend im Landkreis Schwandorf, in der die Anlage mit der Aussicht auf neue Arbeitsplätze zunächst von allen Seiten begrüßt wird. Als jedoch Details über die möglichen Gefahren des Projekts bekannt werden, formiert sich in Politik und Bevölkerung ein starker politischer Widerstand unter Führung der örtlichen „Bürgerinitiative Schwandorf“, der mit heftiger Gewalt vonseiten der Polizei beantwortet wird. Im Zentrum der Handlung steht der verantwortliche Landrat Hans Schuierer, der zum Beispiel für einen Meinungswandel vom Befürworter zum Gegner der WAA wird.

Umsetzung
„Wackersdorf“ lässt sich viel Zeit mit dem Aufbau des Konfliktfeldes. Auch wenn einige Charaktere, z. B. aufseiten von Politik und Wirtschaft, etwas schablonenhaft gezeichnet sind: Wie aus (politischen) Freunden Gegner werden und aus Gegnern Verbündete, das geschieht nicht im Schnellverfahren und in plakativer schwarz-weiß-Malerei, sondern Motive und Beweggründe werden nachvollziehbar gemacht, ohne dass tatsächlich in die komplizierte Materie „Atomkraft“ eingestiegen werden muss. Der Film verzichtet zwar nicht auf Fernseh-Originalausschnitte der gewalttätigen Auseinandersetzungen am Bauzaun, die teilweise heute noch als „Ikonen des Widerstands“ gelten, stellt diese jedoch nicht in den Mittelpunkt. So lebt der Film von der Darstellung der inhaltlichen und emotionalen Auseinandersetzung um den Bau der WAA.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film ist ein Lehrstück für die Bedeutung der in einer Demokratie verbrieften, immer aber auch zu verteidigenden Grundrechte. Beispielhaft werden sukzessiver staatlicher Machtausbau – z. B. Gesetzesänderung statt Konsens oder Volksentscheid („Lex Schuierer“), willkürlicher Polizeieinsatz ohne Rechtsgrundlage – und Meinungsmanipulation (u. a. Verheimlichung der Gefahren der WAA) verdeutlicht. Gerade der letzte Punkt schließt an das aktuelle Phänomen der Auseinandersetzungen um „Fake News“, um falsche oder gefälschte Informationen an – wie würden der Diskurs und die Mobilisierung wohl heute in Zeiten des Internets aussehen? Der im Film gezeigte Drohbrief kann dafür mit „Hate Speech“ im Internet verglichen werden. Wie kann man entscheiden, wer Recht hat, wenn die Sorge um die Zukunft der Region beide Seiten antreibt: Einerseits die Notwendigkeit, neue Arbeitsplätze in der Region zu schaffen, um ein Abwandern der jungen Menschen zu verhindern, andererseits Angst vor Verlust der natürlichen Lebensgrundlagen für viele Generationen im Falle eines atomaren GAUs?

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