Simpel

Deutschland 2017
Regie: Markus Goller
Laufzeit:
113 Min
Genre:
Road Movie, Tragikomödie
FSK:
ab 6 Jahre
Schulunterricht / Altersempfehlung:
ab 12 Jahre
Themen:
Behinderung, Familie, Verantwortung, Anderssein, Außenseiter, Diskriminierung, Gesellschaft, Selbstbestimmung, Respekt und Toleranz, Erwachsenwerden, Freundschaft
Unterrichtsfächer:
Deutsch, Ethik, Sozialkunde, Psychologie, Philosophie, Religion, Französisch

Beschreibung

Inhalt
„Simpel und Ben. Ben und Simpel“. Noch nie waren die beiden Brüder Barnabas und Benjamin voneinander getrennt. Gerne beteuern sie sich gegenseitig ihren Zusammenhalt und mehr noch: Der jüngere Ben kümmert sich seit er denken kann um seinen geistig behinderten älteren Bruder, genannt Simpel. Als die Mutter eines Tages nach schwerer Krankheit stirbt, sind die beiden jungen Männer auf sich allein gestellt. Der Vater ist schon seit langem abwesend. Doch nun besitzt er die alleinige Vormundschaft für Simpel und verfügt aus der Ferne, dass dieser in einem Heim unterkommen soll. Ben und Simpel akzeptieren diese Trennung nicht und nehmen Reißaus. Sie fahren nach Hamburg, wo Ben hofft, den dort lebenden Vater umstimmen zu können. Im Verlauf ihrer Reise brechen alte Wunden auf, aber die beiden finden auch neue Freunde und Möglichkeiten. Ben und Simpel erkennen, dass sie eigene Wege einschlagen können, ohne den anderen im Stich zu lassen.

Umsetzung
Mit „Simpel“ adaptiert der Regisseur Markus Goller einen Jugendroman der französischen Autorin Marie-Aude Murai für ein deutsches Publikum. Wie das Buch kreist der Film um die zentralen Figuren der beiden Brüder, wohingegen der Schauplatz nach Deutschland verlegt wurde und auch die Handlung dem Original kaum mehr gleicht. Vielmehr inszeniert Goller den Aufbruch von Ben und Simpel in ein selbstbestimmtes Leben als Road-Movie, dessen verschiedene Stationen sowohl den Plot als auch die innere Entwicklung der Figuren vorantreiben. Als ungleiches Paar stehen Ben und Simpel nicht nur für die humanistische Botschaft des Films. Simpels auffälliges Verhalten dient zudem als Auslöser von Komik oder führt zu dramatischen Situationen. In Schlüsselmomenten nimmt die Kamera zum Teil Simpels subjektiven Blick ein, um dessen besondere Wahrnehmung zu vermitteln. Getragen wird der Film von der schauspielerischen Leistung des Simpel-Darstellers David Kross.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film stellt mit der Perspektive eines geistig behinderten jungen Mannes und dessen fürsorgenden Bruder zwei Außenseiterfiguren in den Mittelpunkt. Durch die ebenso einfühlsame wie unterhaltsame Inszenierung der Geschichte aus ihrer Sicht bieten sich Identifikationsmöglichkeiten für das Kinopublikum und Zugänge ab der Mittelstufe in allen Schulformen. Für den Einsatz im Unterricht liegt vor allem das Thema Vorurteile nahe. Wie begegnen wir im Alltag Menschen, die durch ihr Aussehen oder Verhalten auffallen? Wie sehen und empfinden die beiden Hauptfiguren im Film ihre Umwelt? Die Hintergründe von Simpels Behinderung werden im Film allerdings kaum beleuchtet. Eine vertiefende Auseinandersetzung mit geistiger Behinderung, ihren Ursachen und Folgen stellt deshalb eine sinnvolle Ergänzung dar, um Verständnis und Toleranz zu fördern. Auch die Möglichkeiten und Chancen einer inklusiven Gesellschaft können ausgehend vom Film untersucht und diskutiert werden.

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