Nebel im August

Deutschland, Österreich 2016
Regie: Kai Wessel
Laufzeit:
126 Minuten
Genre:
Literaturverfilmung, Drama, historische Biografie
FSK:
12
Schulunterricht / Altersempfehlung:
10. - 12. Klasse | ab 15 Jahren
Themen:
Deutsche Geschichte, Nationalsozialismus, NS-Euthanasie, Diskriminierung, Menschenrechte/-würde, Behinderte/Behinderung, Werte, Gewalt, Tod/Sterben, Individuum (und Gesellschaft), Mut, Krankheit, Kinder/Kindheit, Psychiatrie, Zweiter Weltkrieg
Unterrichtsfächer:
Geschichte, Politik, Deutsch, Sozialkunde, Ethik, Religion, Philosophie, Recht

Beschreibung

Inhalt
„Nebel im August” erzählt die letzten Jahre im kurzen Leben des Halbwaisen Ernst Lossa. Der 13-jährige Sohn fahrender Händler musste früh lernen, sich alleine durchzusetzen. Die Kinder- und Erziehungsheime, in denen er bisher lebte, haben ihn als „asozial” und „nicht erziehbar” eingestuft, weil er sich nicht gerne unterordnet. Wegen seiner rebellischen Art und seines Hangs zu stehlen wird Ernst Anfang der 1940er Jahre in eine Nervenheilanstalt abgeschoben. Als Gehilfe der Pflegekräfte und des Hausmeisters offenbart sich ihm nach und nach die ganze Grausamkeit der Vorgänge in der „Heil- und Pflegeanstalt”. Er erkennt, dass viele der körperlich und geistig behinderten oder psychisch kranken Menschen getötet werden. Zunächst schmiedet Ernst einen Fluchtplan, doch dann versucht er, zusammen mit Oberschwester Sophie, einige der jungen Patienten zu retten. Doch seitdem er den Leiter der Anstalt als Mörder bezeichnet hat, steht Ernst selbst auf dessen Todesliste. Im August 1944 wird er ermordet.

Umsetzung
Die Handlung des Films beruht auf wahren Begebenheiten bzw. auf dem Tatsachenroman von Robert Domes. Es war eine besondere Herausforderung, die Geschichte von Ernst Lossa authentisch und ergreifend, aber weder zu drastisch für junge Zuschauer/innen noch verharmlosend zu inszenieren. Ohne den Einsatz von Effekten wie z.B. emotional aufgeladener Filmmusik gelingt es dem Film, Mitgefühl und/oder Empörung zu erzeugen, insbesondere durch pointiertes Schauspiel und treffende Dialoge. Eine weitere Stärke des Films liegt in der Mischung aus Zeigen und Nicht-Zeigen, aus Andeuten und Vermeiden. Verzichtet wird z. B. am Schluss darauf, die Ermordung von Ernst Lossa filmisch abzubilden. Wirkungsvoll ist auch, dass am Filmdreh viele Menschen mit Behinderungen beteiligt waren, die die Patienten der Heil- und Pflegeanstalt darstellen. Inklusion wurde damit zum Bestandteil der Filmproduktion.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die Hauptfigur des Films schafft eine Nähe zum jungen Publikum, die dazu einlädt, sich intensiv mit dem Schicksal von Ernst Lossa zu befassen. Welche Charakterzüge haben ihn ausgezeichnet, der als „asozial” galt, aber unter Lebensgefahr anderen Menschen geholfen hat? Was bedeutete seine Zugehörigkeit zur Volksgruppe der „Jenischen”? Um sein Leben und Sterben zu begreifen, ist eine Auseinandersetzung mit den historischen Hintergründen unabdingbar: mit den „Rassegesetzen” der Nationalsozialisten, dem NS-Euthanasie-Programm und dessen Auswirkungen auf die (Kinder- und Jugend-)Psychiatrie sowie mit der Rolle der Ärzte und Pfleger/innen, die zu Verbrechern wurden, statt zu heilen und zu helfen. Ebenso lohnt eine Beschäftigung mit der Entstehungsgeschichte des Kinofilms auf der Grundlage des gleichnamigen Tatsachenromans von Robert Domes im Rahmen eines Medienvergleichs.

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