Jugend ohne Gott

Deutschland 2017
Regie: Alain Gsponer
Laufzeit:
114 Min
Genre:
Literaturverfilmung, Thriller
FSK:
ab 12 Jahre
Schulunterricht / Altersempfehlung:
10. - 13. Klasse | ab 15 Jahre
Themen:
Dystopie, Erwachsenwerden, Erziehung, Ethik, Individuum (und Gesellschaft), Identität, Ideologie, Jugend, Leistung, Schule, Werte, Literaturverfilmung
Unterrichtsfächer:
Deutsch, Religion, Ethik, Politik, Sozialkunde

Beschreibung

Inhalt
Eher widerwillig nimmt der einzelgängerische Zach am alljährlichen Hochleistungscamp der Abschlussklassenbesten teil, das über die Zulassung der Eliteschüler zur renommierten Rowald-Universität entscheidet. In der von Trainern und Digitaltechnik streng kontrollierten Abgeschiedenheit in den Bergen weist Zach die Annäherungsversuche der ambitionierten Nadesh zurück. Stattdessen trifft er draußen im Wald auf die mit ihrer Jugend-Clique umherstreunende, sich mit Diebstählen über Wasser haltende Ewa, die ihn sogleich magisch fasziniert. Nachdem eines Tages Zachs Tagebuch verschwunden ist, macht sich der grundanständig wirkende und moralisch scheinbar integre Lehrer auf die Spurensuche, verstrickt sich dabei jedoch mehr und mehr in ein Gespinst aus Lügen und Ungereimtheiten. Als schließlich Nadesh erschlagen im Wald aufgefunden wird und jemand den Mord gesteht, der ihn gar nicht begangen haben kann, erodiert der Gruppenzusammenhalt in der Klasse, bevor das Geschehen zur Aufklärung vors Gericht gelangt.

Umsetzung
Sehr frei Elemente aus von Horváths gleichnamigem Roman aufgreifend und interpretierend, versucht der in den Hauptrollen durchweg gut besetzte Film, die Erzählung aus der Epoche des Nationalsozialismus in eine nicht allzu ferne, dystopische Zukunft zu transponieren. Bilder rigider gesellschaftlicher Ordnung werden mit Visionen städtisch-zivilisatorischen Zerfalls kontrastiert; die Leistungsträger und „Starken“ einer auf Effizienz getrimmten, ständiger Kontrolle unterworfenen Gesellschaft werden den in prekären Verhältnissen segregiert lebenden „Schwachen“ gegenübergestellt. Anders als bei der auf den Lehrer fokussierten Erzählperspektive des Romans entwickelt sich die Filmgeschichte mit ihren dramaturgisch nicht immer überzeugenden Gegenwarts-/Zukunftsentwürfen, Figurenzeichnungen und Handlungsmotivationen in mehreren Erzählsträngen jeweils aus der Perspektive eines der jugendlichen Protagonisten. Für die Zuschauer/innen überlagert sich das dergestalt Erzählte am Ende fast thrillerartig – und „klärt“ sich wie im Puzzle auf.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der ins Dystopische gewendete Aktualisierungsversuch des Jugendbuch- und Schullektüreklassikers, multierzählperspektivisch abgelöst von der im heraufziehenden Nationalsozialismus „schuldlos schuldig“ werdenden dominanten Lehrerfigur inklusive damit verbundener Handlungsimplikationen und Wertvorstellungen der übrigen Protagonisten, rückt das Sujet vorderhand näher an die leistungsgesellschaftlichen und medialen Erfahrungswelten heute Heranwachsender. Die von erwartbarer Adaption des Stoffs abweichende filmische Umsetzung bietet älteren Schüler/innen diverse Ansatzpunkte zur Diskussion des Themenfeldes und der Dramaturgie. So sollte man u. a. darüber diskutieren, ob und inwieweit die filmische Verlagerung des Geschehens in eine mehr oder weniger nahe Zukunft, die keine humanistischen Werte mehr zu kennen scheint, tatsächlich ein Seismograph zeitgenössischer Ängste und ihnen zugrundeliegender problematischer Entwicklungen innerhalb unserer Leistungsgesellschaft ist bzw. sein kann.

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