Im Niemandsland

Deutschland 2018
Regie: Florian Aigner
Laufzeit:
92 Min
Genre:
(Historien-)Drama, Coming-of-Age, Romanze
FSK:
ab 12 Jahre
Schulunterricht / Altersempfehlung:
ab 8. Klasse | ab 13 Jahre
Themen:
deutsche Geschichte, Mauerfall, Wendezeit, Erwachsenwerden, erste Liebe, Ost-West-Konflikt, Familie, Generationenkonflikt, Stasi, Vertrauen
Unterrichtsfächer:
Geschichte, Deutsch, Ethik, Politik, Sozialkunde

Beschreibung

Inhalt
Es ist der Sommer 1990 kurz vor der Währungsunion. In die Anfangseuphorie von Ost- und Westdeutschen nach dem Mauerfall mischen sich bereits erste Ernüchterungen, Ressentiments und Ängste. Die 16-jährige Katja aus Westberlin geht oft durch ein Loch in der Mauer auf die Ostseite nach Kleinmachnow. Ihr Vater hat dort einen Protest-Wohnwagen geparkt, vor seinem ehemaligen Elternhaus, dessen Rückerstattung er vehement von seinen jetzigen Bewohner*innen fordert. Katjas Großvater war einst gezwungen die DDR zu verlassen. In diesen Konflikt der Elterngeneration mischt sich die aufkeimende Liebe zwischen dem jungen Mädchen und Thorben, dem Sohn der von Katjas Vater bedrängten ostdeutschen Familie. Fasziniert entdecken die Jugendlichen einander und die fremde Welt des jeweils anderen. Doch merken sie schnell, dass sie ihre Liebe nicht so einfach von der konfliktbeladenen, deutsch-deutschen Wirklichkeit loslösen können.

Umsetzung
Im Gewand einer Romeo-und-Julia-Geschichte beleuchtet Regisseur Florian Aigner einen neuralgischen Abschnitt der jüngeren deutschen Vergangenheit. Das Grundanliegen des Filmes tritt dabei deutlich hervor: die schwierige Annäherung zwischen Ost und West anhand seiner beiden jugendlichen Protagonisten zu zeigen. Auf Grundlage dieser Idee wird die ganze Erzählung konstruiert. Dabei ist "Im Niemandsland" sehr stark mit Konflikten aufgeladen. Nicht nur die frische Liebe von Thorben und Katja, auch die Beziehung von Katjas Eltern steht auf der Kippe. Außerdem reagiert Thorben mit einem plötzlichen Gewaltausbruch, als die Stasimitgliedschaft seines Handballtrainers, zu dem er eine sehr vertrauensvolle Beziehung hatte, ans Licht kommt. Als filmischer Kunstgriff werden in die Spielfilmhandlung immer wieder Originalaufnahmen sowie Nachrichtenbeiträge geschnitten, die das Geschehen an die damaligen Ereignisse rückbinden.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
"Im Niemandsland" vermittelt den Schüler*innen einen Eindruck der turbulenten Wendezeit und ihrer Konfliktlinien. Im Geschichts- oder auch Ethikunterricht können die Positionen der beiden Familien analysiert werden. Welches Recht wiegt in den Augen der Schüler*innen schwerer? Wie sähe eine gute Lösung aus? Und welche der damaligen Konflikte finden sich noch heute zwischen Ost- und Westdeutschland wieder? Es sollte in dem Zusammenhang auch darauf eingegangen werden, dass es sich bei der im Film gezeigten Familie aus Kleinmachnow nicht um "Durchschnitts-DDR-Bürger" handelt, sondern um leitende Kader – was ein aktives Einverständnis mit der DDR voraussetzte sowie eine SED-Mitgliedschaft sehr wahrscheinlich machte. Dieser Umstand wird im Film nicht explizit thematisiert. Am Ende schlägt Thorben seinen ihm freundlich gesinnten Trainer zusammen und baut danach einen Unfall, ohne dass er dafür gerade stehen müsste. Wie bewerten die Schüler*innen dieses Verhalten?

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