Der Himmel wird warten

Frankreich 2016
Regie: Marie-Castille Mention-Schaar
Laufzeit:
105 Min
Genre:
Drama, Coming-of-Age
FSK:
ab 12 Jahre
Schulunterricht / Altersempfehlung:
9. - 13. Klasse | ab 14 Jahre
Themen:
Islam, Extremismus, Terrorismus, "Islamischer Staat", Toleranz, Individuum und Gesellschaft, Familie, Sozialarbeit, Therapie, Dschihad, Rekrutierung
Unterrichtsfächer:
Sozialkunde, Politik, Deutsch, Religion, Ethik

Beschreibung

Inhalt
Das Haus der Familie Bouzaria wird eines Nachts von der Polizei gestürmt, weil die 17-jährige Tochter Sonia mit Dschihadisten in Kontakt stand, die in Frankreich einen Terroranschlag planten. Die ahnungslosen Eltern Catherine und Samir sind bereit alles zu tun, um die junge Extremistin zu bekehren. Während eines strikten Hausarrests ohne Internet und Smartphone findet die wütende Sonia langsam ins frühere Leben zurück. Unterdessen verfällt die 16-jährige, sozial engagierte Christin Mélanie einem jungen Mann, den sie im Internet kennengelernt hat und der sie mit dem Islam vertraut macht und dann zum Dschihad verleitet. Derweil sucht ihre verzweifelte alleinerziehende Mutter Sylvie Unterstützung in einer Selbsthilfegruppe, die von der engagierten Sozialarbeiterin Dounia Bouzar geleitet wird, die Eltern radikalisierter Jugendlicher berät.

Umsetzung
Das Filmdrama zeichnet eine gegenläufige Entwicklung nach, die die beiden Mädchen durchlaufen: von der Normalität zur Radikalisierung und umgekehrt. Während der Erzählstrang um Sonia chronologisch erzählt wird, springt die Erzählung um Mélanie und Sylvie häufig zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Durch die Mitwirkung von Dounia Bouzar, die auch in der Realität ein Präventionszentrum leitet und sich sozusagen selbst spielt, erhält der Film eine erhöhte Authentizität und semidokumentarische Qualität. Indem die Kamera immer wieder zeigt, wie Mélanie täglich Dutzende Nachrichten von ihrem muslimischen "Prinzen" auf ihrem Handy empfängt und verschickt, wird die raffinierte Instrumentalisierung sozialer Medien und konsequente Indoktrinierung durch die Rekrutierer der Terrormiliz "Islamischer Staat" anschaulich.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Im Unterricht bieten vor allem die Szenen mit der Beraterin Bouzar Anlass, über die Methoden der Anwerbung junger Mädchen aus dem Westen für den Dschihad in Syrien zu diskutieren. Warum können die Propagandavideos, die Mélanie zugespielt werden, so tiefgreifend wirken? Und wie ist es möglich, dass ein intelligentes Mädchen auf Verschwörungstheorien mit angeblichen Symbolen auf Geldscheinen oder Konsumgüter hereinfällt? Sonja glaubt, dass sie als Märtyrerin mit einem Attentat 70 Menschen, einschließlich ihrer Familie, retten kann. Mit welchen psychologischen Tricks gelingt es den Anwerbern, solche religiös motivierten Erlösungsideen an die Jugendlichen zu vermitteln? In diesem Zusammenhang liegt es nahe, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Manipulationsstrategien anderer umstrittener religiöser Gruppen wie etwa Scientology zu erarbeiten. Der Film deutet an, dass Sonia eine "Schläferin" war, eine verborgene Terroristin, die nur auf einen Befehl von außen wartete, um aktiv zu werden. Hier bietet sich ein Vergleich zu dem Film "Schläfer" (2005) an, in dem ein algerischer Forscher unter einen solchen Verdacht gerät.

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