Das schweigende Klassenzimmer

Deutschland 2017
Regie: Lars Kraume
Laufzeit:
111 Min
Genre:
Drama
FSK:
ab 12 Jahre
Schulunterricht / Altersempfehlung:
10. - 13. Klasse | ab 15 Jahre
Themen:
Deutsche Geschichte, Ost-West-Konflikt, DDR, Erwachsenwerden, politisches Erwachen, Meinungsfreiheit, Rebellion, Elternkonflikt, Solidarität, Identität, Verlust, Selbstbestimmung, Individuum und Gesellschaft
Unterrichtsfächer:
Geschichte, Deutsch, Politik, Ethik, Sozialkunde, Religion, Psychologie, Philosophie

Beschreibung

Inhalt
Im Herbst 1956 sehen die DDR-Oberschüler Theo und Kurz im Kino in West-Berlin Wochenschaubilder vom Volksaufstand gegen das sozialistische Regime in Ungarn. Zurück in Stalinstadt
(Eisenhüttenstadt) erzählen sie ihrer Mitschülern davon, die beim homosexuellen Freidenker Edgar im verbotenen Westradiosender RIAS weitere Einzelheiten erfahren. Aus Solidarität mit den Ungarn halten die Primaner im Unterricht spontan eine Schweigeminute ab. Während Schulrektor Schwarz versucht, die Aktion als Jugendstreich abzutun, dringt die Kunde davon zum Schulamt und zur SED-Bezirksleitung.
Schließlich fordert Volksbildungsminister Lange die Oberprima ultimativ auf, binnen einer Woche die "Rädelsführer" zu nennen. Doch die 20 Schüler weigern sich und werden vom Abitur ausgeschlossen. 16 von ihnen reisen heimlich über die damals noch offene Grenze nach Westberlin aus, nur vier Mädchen bleiben zurück.

Umsetzung
Das Drehbuch von Autor und Regisseur Lars Kraume beruht auf dem gleichnamigen Sachbuch von Dietrich Garstka aus dem Jahr 2006. Darin beschreibt der in Essen lebende ehemalige Gymnasiallehrer die Erlebnisse der Klasse, die sich 1956 in der brandenburgischen Stadt Storkow auflehnte. Der Film weicht gelegentlich von den überlieferten Fakten ab, so wurde die Handlung nach Stalinstadt verlegt, wo man in erhaltener zeitgenössischer Architektur drehen konnte. Zudem wurden die fünfminütigen Schweigeminuten aus dramaturgischen Gründen zu einer einminütigen Gedenkminute verkürzt. Die packende Inszenierung, die durch eine sorgfältige Ausstattung eine authentische Atmosphäre erzeugt, kombiniert stilsicher etliche Nachwuchsdarsteller mit erwachsenen Schauspielstars zu einem vielköpfigen Ensemble, das typisierte Figuren (Direktor, Minister) ebenso umfasst wie starke Identifikationsfiguren (Theo, Kurt).
Der Film veranschaulicht eindringlich die Stationen eines schmerzlichen Prozesses einer politischen Bewusstwerdung. War die Schweigeminute zunächst als spontane Solidaritätsgeste gedacht, so wurde daraus durch die überharte Reaktion des Regimes eine folgenschwere systemkritische Widerstandsaktion. Während der DDR-Minister den Protest im Film als konterrevolutionären Akt verurteilt, feierte die bundesdeutsche Presse die Schüler/innen als tapfere Freiheitskämpfer. Hier kann diskutiert werden, wie sich ideologische Frontstellungen des Kalten Krieges im Alltagsleben auswirken. Wann stoßen Akte der Zivilcourage an ihre Grenzen? Mit welchen Mitteln zwingt das Regime Bürger zum Verrat? Im Unterricht bietet sich ein Vergleich mit Kraumes Vorgängerfilm "Der Staat gegen Fritz Bauer" an, der sich ebenfalls mit der Frage befasst, wie die Deutschen nach dem Krieg mit den Altlasten des NS-Regimes umgingen.

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Trailer