Zwischen uns die Mauer

Deutschland 2019
Regie: Norbert Lechner
Laufzeit:
110 Min
Genre:
Literaturverfilmung, (Historien-)Drama, Coming-of-Age
FSK:
ab 6 Jahre
Schulunterricht / Altersempfehlung:
ab 8. Klasse | ab 13 Jahre
Themen:
(deutsche) Geschichte, Mauerfall, DDR, deutsche Teilung, Individuum (und Gesellschaft), Begegnung, Erwachsenwerden, Liebe, Jugend/Jugendliche/Jugendkultur, Autorität(en), Freiheit, Wünsche, Macht
Unterrichtsfächer:
Geschichte, Deutsch, Sozialkunde, Politik, Religion, Ethik

Beschreibung

Inhalt
1986: Als sich die 17-jährige Anna aus der westdeutschen Provinz und der gleichaltrige Ost-Berliner Philipp bei einem kirchlichen Jugendaustausch in Berlin kennenlernen, funkt es sofort zwischen den beiden. Die deutsch-deutsche Teilung erschwert es den Jugendlichen jedoch, ihre Gefühle auszuleben. Annas Eltern haben die Sorge, dass sich die Tochter mit einer Liebe ohne Zukunft unglücklich macht. Der rebellisch auftretende Philipp steht als Pfarrerssohn ohnehin unter besonderer Beobachtung und schürt mit dem Kontakt zur westdeutschen Anna das Misstrauen der Behörde. Tatsächlich spielt der Teenager bald mit dem Gedanken an eine Republikflucht...

Umsetzung
Das von Norbert Lechner inszenierte Jugenddrama basiert auf dem 2006 erschienenen, autobiografischen Roman von Katja Hildebrand. Lechner strebt mit der Adaption keineswegs eine akkurate Darstellung der DDR an, sondern überspitzt den politischen Kontext als Kontrast zur jugendlichen Liebe. Darstellerisch funktioniert der insgesamt solide umgesetzte Film hingegen gut – die stimmige Chemie zwischen Lea Freund und Tim Bülow generiert einige schöne Momente unbeschwerter Verliebtheit. So kann der Film trotz mancher Unzulänglichkeiten eine weitere Beschäftigung mit der geschilderten Thematik anregen.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“, erklärte der DDR-Staats- und SED-Parteichef Walter Ulbricht kurz vor dem Mauerbau. Das historische Zitat eröffnet den Film aus dem Off und kann ein Unterrichtsgespräch über die Geschichte der deutschen Teilung einleiten. Auf Grundlage des Jugenddramas bietet es sich vor allem an, den Alltag im geteilten Deutschland zu thematisieren. Die Gängelung des Liebespaars kann die Frage in den Raum stellen, wie der Mauerbau das Privatleben der Leute beeinflusste, wenn etwa Familien getrennt wurden. Wie gehen Anna und Philipp mit ihrer Situation um, welche Wünsche und Pläne haben sie, welche Hindernisse müssen überwunden werden? Die Antworten reichen vom Wunsch, einen „Micky Maus“-Pulli zu tragen bis hin zur Planung eines illegalen Grenzübertritts. Zudem sollte die Darstellung der DDR-Autoritäten thematisiert werden, die keinen ausgewogenen Realismus anstrebt, sondern den filmischen Zweck erfüllt, eine äußere Bedrohung herzustellen. Letztlich können gerade die überzeichneten Szenen eine Diskussion darüber anregen, mit welchen Mitteln und Effekten Filme und andere Kunstdarstellungen ein Bild der Wirklichkeit konstruieren.

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