Die Adern der Welt

Deutschland, Mongolei 2020
Regie: Byambasuren Davaa
Laufzeit:
95 Min
Genre:
Drama, Coming-of-Age
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Schulunterricht / Altersempfehlung:
ab 4. Klasse | ab 9 Jahre
Themen:
Erwachsenwerden, Ausbeutung, Globalisierung, Mongolei, Alltag, Familie, Talentwettbewerb, Träume
Unterrichtsfächer:
Deutsch, Religion, Ethik/Lebenskunde, Geographie, Sozialkunde

Beschreibung

Inhalt
Der zwölfjährige Amra wächst mit seiner kleinen Schwester und seinen Eltern in einer Nomadengemeinschaft in der mongolischen Steppe auf. Jeden Morgen fährt ihn sein Vater Erdene in die Schule in die nächste Ortschaft, während seine Mutter Zaya und die kleine Schwester Altaa die Herde aus Schafen und Ziegen versorgen. Erdene arbeitet als Mechaniker und verkauft auf dem Markt Käse aus eigener Produktion. Amra möchte bei der Fernsehshow „Mongolia‘s Got Talent“ mit einem Lied auftreten, doch seine Eltern und die anderen Erwachsenen haben andere Probleme, denn ihre nomadische Lebensweise wird durch globale Bergbauunternehmen gefährdet, die es auf den Rohstoff Gold abgesehen haben und auf ihren angestammten Gebieten danach schürfen wollen. Erdene widersetzt sich mit all seinen Möglichkeiten dieser Ausbeutung und Vertreibung, was Amra aufmerksam verfolgt. Durch einen tragischen Autounfall muss sich Amra neu orientieren, schafft Geld für seine Familie heran und stellt sich, wie sein Vater, gegen die Konzerne, die den Nomad*innen die Lebensgrundlage nehmen wollen.

Umsetzung
Die Regisseurin Byambasuren Davaa wurde bereits durch ihren ersten Dokumentarfilm „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ (2003) bekannt, der eine Oskar-Nominierung erhielt und Familienleben in der Mongolei zeigt. „Die Adern der Welt“, ihr erster Spielfilm, ist ebenfalls eine Familiengeschichte, die aber darüber hinaus die Augen für die Probleme der traditionell lebenden Nomad*innen öffnet, die durch die Gier der globalen Bergbaukonzerne vertrieben werden und deren wunderbare Natur und Lebensgrundlage dadurch zerstört wird. Anhand großartiger Landschaftsaufnahmen, eindrücklichen Bildern über das Leben in der Mongolei und interessanten Einblicken in den Alltag der Nomad*innen, der mit und in der Natur stattfindet, verbindet der Film die Coming-of-Age-Geschichte Amras mit Gesellschaftskritik. Der ruhig erzählte Film lädt zum Betrachten und Nachdenken ein und berührt durch die subtile Darstellung der Emotionen der Familienmitglieder. Dabei nimmt der Film die jungen Zuschauer*innen ernst und macht sie mit einer anderen Kultur und Lebenswelt vertraut.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Mittelpunkt der Geschichte steht Amra, der auf seinem Weg der Identitätsfindung durch sein Schicksal sehr gefordert wird. Hier können die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Amras Alltagsleben und dem der Schülerinnen und Schüler herausgearbeitet werden. Ebenso bietet es sich an, die Kultur des nomadischen Lebens in der Mongolei näher zu betrachten, wobei auch die Beerdigung des Vaters angesprochen werden sollte, da diese bei den zuschauenden Kindern sicher Fragen aufwerfen wird. Vor allem mit jüngeren Kindern sollte auch auf die Darstellung des Unfalls und die Rückblenden auf den Unfall eingegangen werden. Die Ausbeutung der Natur in der Mongolei durch internationale Konzerne und damit der Entzug der Lebensgrundlage der Nomad*innen kann ebenfalls thematisiert und kritisch aufgearbeitet werden. Hatten die Kinder Geduld, sich auf die anfangs sehr langen Kameraeinstellungen des Films einzulassen? Sie können überlegen, ob und inwiefern diese ungewohnte Erzählweise zur Geschichte passt.

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